Die Betriebsunterbrechung – ein versicherungsthematisches Stiefkind

Produktionsbetriebe sind stark davon abhängig, ob der Standard der Produktion einsatzfähig ist oder nicht. An dem Produktionsstandort wird, wie der Name schon sagt, produziert und damit Wertschöpfung erzielt. Firmen erwirtschaften dabei oft an einem einzigen, manchmal auch noch an weiteren Standorten sogenannte Deckungsbeiträge und bezahlen damit ihre Fixkosten und erzielen damit auch Gewinn. Umso drastischer wird es, wenn am sogenannten Produktionsstandort eine Unterbrechung des Betriebes eintritt. Dies kann durch viele Situationen der Fall sein. Durch einen Sachschaden, der infolge eines Feuers, eines Elementarereignisses oder eines sonstigen Ereignisses eintritt, steht plötzlich die Produktion zum Teil oder zur Gänze und werden die Deckungsbeiträge nicht mehr erwirtschaftbar sein.

Gerade nun ist es vorteilhaft, bereits vor Eintritt des Schadenfalles eine entsprechende Vorsorge getroffen zu haben, die im Bereich der „Betriebsunterbrechungs-Versicherung“ zu suchen ist. Eine solche Versicherung, sofern sie richtig gestaltet ist, soll den Unternehmer (zumindest theoretisch) so stellen, als ob der Schaden in seinem Vermögen nie eingetreten wäre. Unterbrechungsschäden sind in der Regel außer dem ereigneten Sachschaden reine Vermögensschäden und werden auch als solche abgehandelt. Den richtigen Deckungsbeitrag zu versichern, erfordert sehr gute Kenntnisse bei der Interpretation der erwirtschafteten Deckungsbeiträge, da ja die im Schadenfall entfallenden variablen Kosten weder ersatzfähig sind noch versicherungsmäßig berücksichtigt werden müssen. Hier die entsprechende Unterscheidung zu finden, erfordert ein sich Hineindecken in die Schadensituation und mit der notwendigen Erfahrung lässt sich bereits im Vorfeld eine relativ genaue Versicherungssumme als versicherter Deckungsbeitrag versichern.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Dauer der Unterbrechung. Hier sind zu berücksichtigen die Wiederbeschaffungs- oder Errichtungskosten der beschädigten Sache (z.B. abgebrannte Gebäude samt Einrichtung oder die beschädigte Maschine) und darf nicht zu kurz bemessen sein, da ansonsten wieder eine zu geringe Entschädigung im Schadenfall berechnet wird. Auch gibt es sogenannte „Schlüsselpositionen“ oder „Schlüsselmaschinen“, die für die Erwirtschaftung eines Großteils des Deckungsbeitrages maßgeblich sind. Auch hier ist entsprechende Erfahrung und intensive Ermittlung notwendig, um solche Situationen herauszuarbeiten und in einen entsprechenden Versicherungsvertrag zu formen.

Die Betriebsunterbrechung hat einen sehr hohen Stellenwert, sofern sie richtig gestaltet ist und auch mit den entsprechenden Zusatzdetails ausgestattet wird, die individuell auf jeden Betrieb festzulegen sind. Sind alle Voraussetzungen gegeben, so darf sich der Unternehmer zumindest gedanklich in der Sicherheit wiegen, dass er finanziell einen für ihn überschaubaren oder gar keinen Schaden hat. Die alljährliche Kontrolle der Versicherungssumme (versicherter Deckungsbeitrag) ist eine wichtige Aufgabe des Fachmanns, um Veränderungen zu entdecken und allenfalls auch für die Zukunft zu berücksichtigen. Entsprechende Regelungen lassen eine gewisse Bandbreite an Variabilität zu, da in Wahrheit ja ein Deckungsbeitrag für die Zukunft versichert wird und nachträgliche Abrechnungen heute Standard sind.