EU-Richter zwingen Versicherungen zu geschlechtsneutralen Tarifen

Versicherungen dürfen Frauen und Männer nicht länger zu unterschiedlichen Tarifen absichern. Das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) am 28.02.2012 in Luxemburg entschieden. Die bislang übliche Berücksichtigung des Geschlechtes als 'Risikofaktor' in den Versicherungsverträgen ist eine unzulässige Diskriminierung. Die Gleichstellung von Männern und Frauen ist ein grundlegendes Prinzip der Europäischen Union. So die Begründung des EuGH.

Die Versicherungsgesellschaften haben nun bis 21. Dezember 2012 Zeit die Verordnung umzusetzen und sogenannte Unisex-Tarife anzubieten. Damit es nicht zu einer abrupten Umstellung des Marktes kommen muss, sollte die Anwendung dieser Regel nur für neue  Verträge gelten, heißt es im Urteil.

Bislang werden Versicherungstarife nach dem statistischen Risiko kalkuliert. Dabei spielt  das Geschlecht häufig eine zentrale Rolle. Im Besonderen Einfluss nimmt  die bislang  praktizierte Kalkulation die Lebensversicherung. Die durchschnittliche Lebenserwartung bei Mann und Frau unterscheidet sich deutlich. Auch Kranken- Pflege- und Unfallversicherungen bedürfen einer entsprechenden Korrektur, welche dem Luxemburger Urteil Rechnung trägt. Die Prämien für Männer und Frauen in diesen Sparten werden sich erhöhen oder verringern.

Welche Vorteile können noch bis 21.12.2012 genützt werden?

Vorteil  für Frauen:
  • Ablebensversicherung: geringere Prämien aufgrund der niedrigeren Sterbewahrscheinlichkeit während der Versicherungsdauer


Vorteile für Männer:
  • Rentenversicherung: geringere Prämien aufgrund der niedrigeren Lebenserwartung
  • Krankenversicherung: geringere Prämien aufgrund der niedrigeren Lebenserwartung und der damit verbundenen geringeren Inanspruchnahme von Leistungen
  • Pflegevorsorge:  geringere Prämien aufgrund der niedrigeren Lebenserwartung