Gilt eine Wundinfektion als Unfallfolge in der privaten Unfallversicherung?

Eine an Diabetes mellitus erkrankte Frau stieß mit ihrem Fuß gegen einen offenen Küchenkasten, sodass ein kleiner blutender Kratzer entstand. Die unscheinbare Verletzung wurde von der Dame selbst versorgt, allerdings schwoll der Fuß einige Tage später stark an und verfärbte sich rot und blau. Eine ausgeprägte Sepsis führte dazu, dass das linke Bein bis zur Mitte des Oberschenkels amputiert werden musste.

Die Unfallversicherung lehnte die Deckung ab mit der Begründung, dass es sich um keinen Unfall im Sinne des Versicherungsvertrages der privaten Unfallversicherung handle. Die leidgeprüfte Frau ging vor Gericht und hat in allen Instanzen einschließlich des OGH Erfolg. Unter Berufung auf die Versicherungsbedingungen stellten die Gerichte in ihren Entscheidungen dar, dass auch das Entstehen einer kleinen Risswunde grundsätzlich unter den Unfallbegriff fällt. Natürlich müssen Vorerkrankungen (hier Diabetes mellitus) in ihren Auswirkungen beziffert und angerechnet werden, was aber nicht ausschließt, dass dennoch eine Entschädigung zu leisten ist.